Disclaimer: Alle Figuren gehören Stephenie Meyer und ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte. Einzig und Allein die Ideen sind auf meinem Mist gewachsen ;D


Kurzbeschreibung: Der 14. Februar eines jeden Jahres. Der Tag, an dem die Menschen alles nur noch durch eine rosarote Brille sehen. Der Tag, an dem Pärchen sich scharenweise ihre Liebe beweisen und der Tag, der für Isabella Swan jedes Jahr aufs Neue eine rosarote Hölle ist.

Rosarote Hölle

Ich hasste es!

Ich verabscheute diesen einen verdammten Tag im Jahr wie die Pest und das Schlimmste daran war, dass egal wo man hinging oder was man tat: Man wurde immer und überall daran erinnert!

In jedem verdammten Geschäft waren Rosen, Pralinen oder auch Grußkarten, welche man seinen Liebsten schenken konnte.
Jedenfalls war es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen, doch die Werbebranche machte alles von Jahr zu Jahr schlimmer.
Mittlerweile gab es sogar kleine Amor Skulpturen aus Porzellan, mit kleinen Windeln und diesem lächerlichen Pfeil, dessen Pfeilspitze ein Herz darstellte.
Am liebsten würde ich, immer wenn ich eines dieser furchtbaren Figuren sah, sie mir nehmen und jedes einzelne davon gegen die Wand schleudern und damit keiner auf die Idee kommen würde, die Überreste wieder zusammenzukleben, würde ich jede einzelne Scherbe sorgfältig zertreten.

Doch, das war noch lange nicht alles!
Nein, natürlich nicht!
Die Spitze dieses rosaroten Berges bildeten die Selbsthilfebücher für Singles und komischerweise schienen alle extra nur für Frauen geschrieben zu sein.

Da waren Bücher wie:

Wie verbringe ich den Valentinstag nicht alleine?

Woher bekomme ich am besten ein Date für den Valentinstag?

Valentinstag: Das Buch zum Erfolg!

Nie mehr allein am Valentinstag!

Wie finde ich am Valentinstag den Mann meiner Träume?

Der romantischste Tag im Jahr: 14. Februar – Valentinstag

Am Valentinstag werden all deine Träume wahr!


Solche Titel und mehr konnte man schon kurz nach Neujahr in jeder Buchhandlung finden.
Bücher, die noch nicht einmal einen originellen Titel besaßen, wie sollte denn dann der Inhalt überhaupt etwas taugen?
Und wieso hatte jedes Buch dieses schreckliche Wort im Titel: Valentinstag!

Das Schreckliche daran war aber noch, dass sich diese Bücher wirklich zu verkaufen schienen.

Wie verzweifelt musste eine Frau sein, um sich solche Bücher zu kaufen?
Als ob sie wirklich helfen würden, das war doch Unsinn!
Und wieso war ausgerechnet der 14. Februar dieser ‚romantischste Tag aller Tage’?
Wieso lag dieser Tag nicht im Sommer oder noch besser im tiefsten Winter, damit all die Pärchen auch brav Zuhause blieben?
Und wieso ausgerechnet Valentin? Was für ein schrecklicher Name!
In der Schule wurde uns zwar damals erzählt, warum es diesen Tag gab, warum er so hieß und wie es überhaupt dazu kam, aber das lag mittlerweile etliche Jahre zurück.

Für mich war es sowieso völliger Schwachsinn! Einzig und allein die Grußkartenfirmen hatten diesen Tag ins Leben gerufen, mehr nicht.
Die Geschichte von Valentin war doch nur das: Eine Geschichte, um die Herzen der Menschen zu bewegen, damit sie alle ihr Geld für irgendwelche unnötigen Geschenke ausgaben.

Und egal wo man hinging, man sah nur Pärchen!
Ein Meer aus verdammten Pärchen, die sich gegenseitig anhimmelten und sich die ewige Liebe schworen.  

Ewige Liebe!  

Als ob!

Die ewige Liebe gab es nicht und auch diesmal war die Werbebranche daran schuld, dass leicht beeinflussbare Menschen an so etwas wie die ewige Liebe glaubten.
Sowohl in Büchern, als auch in Filmen wurde allen gezeigt, dass die wahre und einzige Liebe wirklich existierte, wenn man nur danach suchte.
Den meisten Leuten schien noch nicht einmal bewusst zu sein, dass all diese Begebenheiten in der Fantasiewelt anderer Personen stattfand und nicht, weil dieser Scheiß wirklich geschah!
Genau diese Personen waren es, die in ihrem Privatleben einsam und verlassen vor ihrem Fernseher saßen, zusammen mit ihrer dämlichen Katze auf dem Schoß, und unnötig viel Schokolade und anderen Süßkram in sich hineinstopften.
Und bestimmt war der Schokoladenverbrauch am Valentinstag noch am höchsten!

Kein Wunder!

Die so genannten ‚verliebten’ Pärchen schenkten sich gegenseitig Schokolade, die einsamen Singles hingegen schenkten sich diese Kalorienbomben selbst und stopften sie besonders am Valentinstag aus Bitterkeit in sich hinein.

War ich froh, dass ich nicht so tief gesunken war, und das obwohl ich vor acht Jahren den schlimmsten Valentinstag aller Zeiten erlebt hatte!

Bevor ich meine Hasstirade gegen diesen Tag weiter in meinen Gedanken ausschmücken konnte, klingelte die Melodie von Cee Lo GreensFuck you’ – passend zu diesem Tag – in meinen Ohren.

Genervt suchte ich in meiner Tasche nach meinem Handy.

Irgendwann, in weiter Zukunft, sollte ich in meiner Tasche mal aufräumen.
Wieso hatte ich nur immer so viel Kram darin, sodass ich nie etwas wiederfinden konnte?

Die Melodie hörte auf zu spielen, doch nur wenige Sekunden später begann der Klang erneut.

I picture the fool that falls in love with you

Ich versuchte der Melodie zu folgen, versuchte das Blinken meines Handys in meiner Tasche auszumachen, doch es war unauffindbar.

Now baby, baby, baby, why d'you wanna wanna hurt me so bad?

Mistding!
Dabei war meine Tasche noch nicht einmal so groß.

Sobald die Melodie ein zweites Mal verklang, hörte ich es schon das dritte mal wieder Läuten.

I still wish you the best with a...
Fuck you!

Ha! Gefunden! Endlich!
Wieso hatte ich es überhaupt in eine der Innentaschen gesteckt und den Reißverschluss dann zugezogen?

Dieser Tag war eindeutig verflucht!

„Swan“, meldete ich mich, immer noch genervt, weil in meiner Handtasche das absolute Chaos herrschte.

„Bella! Wieso hat das so lange gedauert? Ich habe zwei Mal versucht dich zu erreichen, aber nie gehst du ran! Wirklich nie! Naja, außer jetzt, aber ich habe ja auch schon lange genug probiert! Wo treibst du dich denn wieder rum? Zuhause konnte ich dich jedenfalls nicht erreichen, deswegen habe ich es ja auch auf dem Handy versucht, aber selbst da gehst du ja nur selten ran! Mensch Bella, wieso hast du überhaupt ein Handy, wenn du da doch nie ran gehst? Also wirklich,…“, hörte ich die Stimme meiner besten Freundin Alice aufgeregt zwitschern und verfluchte mich innerlich wieder dafür, dass ich mein Handy nicht sofort gefunden hatte.
Wäre das der Fall gewesen, würde sie mir jetzt keine stundenlange Predigt halten und besonders heute hatte ich überhaupt keine Lust darauf!

„Alice! Jetzt halt mal die Luft an! Was ist denn so wichtig, dass es dich nicht interessiert, dass ich gerade, möglicherweise, beschäftigt war, als du versucht hast, mich anzurufen?“, redete ich ihr dazwischen.
Zwar hatte ich im Moment wirklich nichts besseres zu tun, als durch die Straßen von Chicago zu schlendern und mich über die Geschäftsdekorationen und die umherlaufenden Pärchen aufzuregen, trotzdem sollte sie nicht denken, dass ich immer und überall für sie zur Stelle stand, außer natürlich, es war ein Notfall.

„Jazz hat mir einen Heiratsantrag gemacht!“, quiekte sie so laut, dass ich den Hörer mindestens einen halben Meter von mir weg halten musste, damit mein Trommelfell nicht platzen würde oder, im besten Fall, ich einen Hörschaden davon erlitt.

Na das hatte der Welt auch noch gefehlt!
Noch ein Paar, welches sich am Valentinstag verlobt hatte!
Oh ja, sehr romantisch und ganz bestimmt auch etwas sehr seltenes an diesem verdammten Tag.
Innerlich musste ich selber über meinen Sarkasmus die Augen verdrehen.

„Glückwunsch“, sagte ich nur, in der Hoffnung, dass das Gespräch somit beendet sein würde, doch ich hätte es besser wissen müssen.

„Wow, ich bin ja so gerührt, dass du dich so sehr für mich freust. Da kommen mir schon fast die Tränen“, gab sie sarkastisch zurück, doch Alice wusste, wie ich war.
Sie wusste, wie sehr ich diesen Tag verabscheute und sie war sogar dabei, als diese Sache vor acht Jahren geschehen war, da sollte sie eigentlich wissen, wie ich dieses Thema hasste.

„Alice, du weißt, dass ich Jasper mag, und ich mag euch beide auch zusammen als Pärchen, aber du weißt…“, fing ich an, ließ diesen Satz jedoch unausgesprochen in der Luft hängen.

„Nein, kein aber! Bella, wann siehst du denn endlich mal ein, dass nicht alle Kerle schlecht sind?  Ich weiß, was damals passiert ist, war nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber nicht jeder ist so, weißt du? Du, als meine beste Freundin, solltest dich freuen, wenn der Mann meiner Träume mich endlich gefragt hat, ob ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen will“, redete sie auf mich ein und sofort überkam mich mein schlechtes Gewissen.
Natürlich freute ich mich für sie.
Sie war glücklich und das war ja schließlich auch das Einzige was zählte, oder?
Tief im Inneren wusste ich, dass Jasper ihr niemals etwas so Schreckliches antun würde, wie Jacob es bei mir getan hatte und wenn doch, dann würde ich ihn bis zum anderen Ende der Welt jagen und zur Strecke bringen!

Doch war nicht jeder Mann so?
Irgendwo schlummerte doch in jedem Mann ein verdammter Mistkerl, so waren sie veranlagt.
Jasper schien bis jetzt wirklich perfekt für Alice zu sein, doch vielleicht hatte er in ein paar Jahren schon genug von ihr.
Na gut, die beiden kannten sich nun schon seit über zehn Jahren, aber selbst dann konnte ein Mann, sobald er bekommen hatte, was er wollte, zum absoluten Arschloch mutieren.

„Tut mir leid, Alice! Ich freue mich. Wirklich! Naja, zumindest versuche ich das, aber auch nur, weil du es bist“, entschuldigte ich mich bei meiner kleinen besten Freundin und meinte es auch wirklich ernst.
Ich war wahrhaftig kein Fan von Hochzeiten oder dem Valentinstag.
Jedenfalls nicht mehr!
Dennoch wollte ich mich für Alice zusammenreißen.
Ich wollte ihr nicht die Freude verderben, auch wenn ich es sicherlich schon durch meine Reaktion getan hatte.

„Du bist ein Schatz!“, quiekte sie wieder.
Mir hätte eigentlich sofort bewusst sein sollen, dass Alice’ Freude auf ihre Verlobung nichts und niemand zerstören konnte.
Wahrscheinlich noch nicht einmal, wenn eine Horde Vampire angreifen würde.
Alice würde sie so lange auf eigener Faust verjagen, bis sie zumindest die Flitterwochen hinter sich gebracht hatte.

Ich konnte es mir bildlich vorstellen:
Hunderte von rotäugigen Vampiren auf der einen Seite und Alice auf der anderen, bewaffnet mit nur einer… Handtasche.
Oh ja, meine kleine beste Freundin würde sogar Luzifer persönlich Angst einjagen, wenn es darum ging, dass ihre Hochzeit stattfinden würde.

„Ich schicke dir ein Foto von meinem Verlobungsring via MMS“, versicherte sie mir und legte genau in dem Moment auf, als mich der Gedanke an Alice mit ihrer Mörderhandtasche in einen Lachanfall manövrierte.
So gut es ging versuchte ich mir mein Lachen zu verkneifen, da die Leute mich jetzt schon ansahen, als ob ich Geisteskrank wäre, doch eigentlich konnte mir das auch scheiß egal sein, was diese vom Valentinstag besessenen Menschen dachten.
Wenn jemand Geisteskrank war, dann waren sie es!

Wenige Sekunden später piepte mein Handy erneut, diesmal jedoch wegen der MMS, die Alice mir angekündigt hatte.
Sie hatte ihre kleine Hand fotografiert, wodurch der riesige Ring, welcher an ihrem Ringfinger prangte, nur noch mehr zur Geltung kam.

Nicht schlecht, Jasper, bewunderte ich seine Auswahl.

Meiner war nicht einmal annähernd so groß…, dachte ich wieder an die Zeit zurück, an der auch ich einmal einen Heiratsantrag bekommen hatte, doch so schnell diese Gedanken kamen, waren sie auch schon wieder verschwunden.

Schnell versuchte ich mich wieder auf mein eigentliches Vorhaben zu konzentrieren, was zwar besonders am heutigen Tag riskant war, doch ich wagte mich tatsächlich in die Höhle des Löwen: Ich musste in den Buchladen!
Dort hin, wo unzählige dieser Valentinstagsselbsthilfebücher waren, doch ich brauchte unbedingt ein neues Buch.
Zwar hatte ich genügend Bücher Zuhause, aber ich hatte nicht unbedingt Lust darauf, eines davon zu lesen.
Natürlich liebte ich all meine Bücher, doch es war Zeit, dass ich in einer neuen und mir noch unbekannten Welt eintauchte.
Eigentlich hätte ich genauso gut morgen in den Buchladen gehen können, wenn all diese kitschig bescheuerten Artikel weggelegt wurden, aber so lange konnte ich nicht warten und wenn ich unbedingt ein neues Buch haben wollte, musste es sofort sein.
Ich wusste, das war nicht die beste Eigenschaft die ein Mensch vorzuweisen hatte, doch so war ich nun einmal.

Wahrscheinlich konnte ich von Glück reden, dass Alice mich nicht wieder angerufen hatte um zu fragen, wie ich ihren Verlobungsring denn nun fand, somit konnte ich mein Ziel ohne weitere Vorkommnisse erreichen.
Zur Sicherheit stellte ich mein Handy auf lautlos, nur falls Alice doch noch auf die Idee kommen sollte mich zu kontaktieren.

Sobald ich einen Fuß in den Buchladen gesetzt hatte, atmete ich einmal tief durch die Nase und schloss genießerisch meine Augen.
Allein schon dieser Duft ließ mich alles vergessen, jedenfalls solange bis ich meine Augen wieder öffnete und wieder zurück in die Realität kam.

Ich hätte würgen können, als ich die rosarote Dekoration sah.

Die Decke war mit vielen Herzen gewölbt, an jedem einzelnen Tisch waren sogar Luftballonherzen angebunden und neben jedem Regal stand auf jeder Seite eine Vase mit einer roten Rose.

Nirgendwo hatte man seine verdammte Ruhe!

Gemütlich schlenderte ich durch die verschiedenen Regale und versuchte die Dekoration zu ignorieren, aber das schien beinahe unmöglich.
Wieso wurde denn auch immer wieder, jedes Jahr aufs Neue, so ein Trara darum gemacht?

Ich verstand es einfach nicht!

War Weihnachten nicht auch das Fest der Liebe?
Wieso gab es also noch zusätzlich diesen beknackten Valentinstag?
Damit die Pärchen etwas ausgeben und die Singles sich selbst bemitleiden konnten?

So gut es ging versuchte ich mich auf die Bücher zu konzentrieren, doch der ganze Liebeskram hinderte mich daran, den Büchern all meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Das reicht, dachte ich mir und überlegte fieberhaft, was ich dagegen unternehmen konnte.

Umso mehr nervte es mich, dass es nichts gab, was ich tun konnte, damit diese blödsinnige Dekoration verhindert werden konnte, also musste ich mir etwas anderes überlegen.
Etwas, dass mich wenigstens besser fühlen ließ und ich mich auf das konzentrieren konnte, weshalb ich überhaupt hier war.
Ganz bestimmt würde ich mich nicht von diesem rosaroten Albtraum aus einem Buchladen verscheuchen lassen.

Ich stand irgendwo in der hintersten Ecke und ließ meinem Blick durch die Räumlichkeiten schweifen, bereute es jedoch im nächsten Moment, da mir das Ausmaß des rosaroten Meeres vorher nicht so deutlich bewusst gewesen war.

„Schlimmer als ich dachte“, murmelte ich zu mir selbst, bis mein Blick auf die Rosen fiel, die neben jedem einzelnen Regal standen.

Noch einmal blickte ich mich um, um sicher zu gehen, dass mich niemand sah, ehe ich einen Schritt auf die rote Rose zuging.

Und noch einen.
So lange, bis ich direkt davor stand und ich meine Hand nach ihr ausstrecken konnte, sodass die samtenen Rosenblätter meine Fingerspitzen berührten.

„Ich weiß, du kannst nichts dafür“, sprach ich leise zu der unschuldigen Pflanze vor mir und wusste natürlich selber, wie bescheuert ich mich verhielt, jedoch war der ganze Trubel um diesen einen Tag im Jahr das größere Vergehen.

„Aber ich hoffe du weißt, dass ich dieses Opfer bringen muss“, erklärte ich der Rose, riss ihr das erste Blütenblatt heraus und tatsächlich fühlte ich mich aus irgendeinem bescheuerten Grund dadurch besser, also machte ich einfach weiter, bis die arme Blume kahl war.

Viel zu schnell war dieser Spaß vorbei, also ging ich zum nächsten Regal, sah mich wieder um und riss auch dieser Rose jedes einzelne Blütenblatt heraus.

Als ich bei Rose Nummer fünf angelangt war und ich die ersten Blüten herausriss, war ich so sehr in meine kleinen Rachegelüste versunken, dass ich nicht einmal bemerkte, dass jemand meine Aktion mitbekam.

„Lässt du mir auch noch welche übrig?“, hörte ich eine samtene Stimme in meiner Nähe fragen und zuckte zusammen, nur um mich im nächsten Moment zu versteifen.

Scheiße, dachte ich mir. Erwischt! 

Langsam drehte ich mich in die Richtung um, aus der ich die Stimme vernommen hatte und erblickte einen wirklich sehr gut aussehenden Mann, welcher etwa in meinem Alter sein musste.
Er war groß, hatte rotbraune Haare und das Grün seiner Augen strahlte nur so aus ihm heraus.
Sein Gesicht war markant und wurde durch einen leichten Drei Tage Bart nur noch deutlicher hervorgehoben.

Verwirrt, wegen seiner Aussage, runzelte ich meine Stirn und erwiderte seinen Blick.
„Hää?“, fragte ich deshalb wie eine Bekloppte, doch so wie ich die einzelnen Blütenblätter aus den Rosen riss, konnte man sowieso annehmen, dass ich nicht ganz beisinnen war.  
Sollte dieser Typ doch denken, was er wollte!

Gemächlich lief er zu mir herüber und blieb wenige Zentimeter von mir entfernt stehen.
Sein Blick wanderte zu der Rose, die ihre Blüten schon zur Hälfte verloren hatte, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich richtete.

„Darf ich?“, fragte er mich und deutete mit seinem ausgestreckten Zeigefinger auf die halb kahle Rose.
Ich nickte einfach nur, da ich nicht wusste, was ich von seinem Auftreten halten sollte.
Wollte er mich verarschen?
Dachte er vielleicht ich wäre Geisteskrank und wollte, dass ich bei meiner Aktion nicht allzu dumm dastand?
Oder Moment… vielleicht war er ja derjenige, der Geistesgestört war?
Nein, so wirkte er nicht… nicht mehr als ich jedenfalls und ich war definitiv normal im Kopf.
Na ja, so normal wie man es eben sein konnte...

Mit einem Ruck riss er der Rose ihren Kopf ab und schmiss diesen zurück in die Vase, wo sie vermutlich im Wasser ertrinken würde.
Um das Ganze noch zu unterstreichen, nahm er den Rosenstil in die Hand und rührte damit in der weißen Vase herum, bis der zerrissene Kopf wahrscheinlich nur noch aus Matsche bestand.

Hatte ich mich vielleicht geirrt und er war doch nicht ganz Richtig im Kopf?
Aber irgendwie beeindruckte mich diese Aktion… vielleicht war ich ja doch nicht so normal, wie ich es immer vermutet hatte.

„Beeindruckend“, gab ich nur von mir, während mein Blick auf seiner Hand verweilte, die noch immer in der Vase herumrührte, als ob er gerade ein Meistergericht zubereiten würde.

Sein leises Lachen brachte mich dazu, wieder zu ihm aufzublicken.
Ich erkannte, dass seine grünen Augen aus der Nähe betrachtet noch viel intensiver waren, als ich es aus der Entfernung ausmachen konnte.
Erstaunlich, wie grün Augen sein konnten…

Okay, anscheinend war heute der Tag gekommen, an dem ich endgültig meinen Verstand verlor.
Wie grün Augen sein konnten? Was war das denn für eine Aussage? Die war ja fast schon so schlimm, wie der Valentinstag. Aber auch nur fast!

„Ich hätte nicht gedacht, dass es noch jemanden gibt, der den Valentinstag so hasst“, erwiderte er, noch immer mit einem Lächeln auf seinen Lippen.

Skeptisch musterte ich ihn.

„Wer sagt denn, dass ich den Valentinstag hasse? Vielleicht habe ich auch einfach nur eine sehr starke Abneigung gegen Rosen, besonders rote Rosen und anderen Sachen, die dieser Farbe nur im Entferntesten ähneln.“

Ja, es hörte sich verrückt an, das wusste ich selbst, aber ich konnte es mir nicht nehmen lassen seine Aussage einfach so hinzunehmen.
Natürlich hasste ich den Valentinstag und der Grund dafür war den meisten meiner Freunde bekannt, jedenfalls denen, die vor acht Jahren diesen verfluchten Tag miterlebt hatten, doch dieser Mann hier war fremd.

Fremd, aber irgendwie mochte ich ihn auf Anhieb.

Wer würde denn einfach einer Rose den Kopf abreißen, nachdem man jemanden sah, der die Rose kahl machte?
Die meisten Leute würden sich darüber beschweren, es gekonnt ignorieren oder bei den Angestellten petzen gehen, aber der unbekannte Mann neben mir nicht.

„Möglich, aber eher unwahrscheinlich“, grinste er nur und streckte mir seine Hand entgegen.

„Mein Name ist Edward Cullen“, stellte er sich auch schon vor, woraufhin der Unbekannte auch schon einen Namen hatte.

„Bella“, erwiderte ich nur leicht grinsend und streckte ihm ebenfalls meine Hand entgegen.

Ich dachte ja nicht einmal daran, einem Fremden meinen vollen Namen zu sagen.
Zwar war ich mir sicher, dass der Name Swan in Chicago des Öfteren vertreten war, trotzdem konnte man nie sicher genug sein.
Vielleicht war er ja irgendein Freak, der sich später als ein verrückter Stalker entpuppen würde. Er machte zwar nicht den Eindruck, aber sicher war sicher.
Es gab genug verrückte Menschen auf Erden, wieso sollte ich dann nicht einem ausgerechnet am Valentinstag begegnen?
So viel Glück, wie ich an diesem Tag immer hatte, erschien es mir nur logisch.

Edward, der nicht mehr allzu unbekannte Mann neben mir, hob skeptisch seine Augenbrauen, sagte aber nichts weiter dazu, dass ich ihm nur meinen Vornamen genannt hatte.  
Eigentlich war es sogar nur mein Spitzname, aber auch das war etwas, was er nicht unbedingt wissen musste, auch wenn er es sich bestimmt denken konnte.

„Also bist du auch ein Valentinstagshasser? Oder sollte das nur eine neue Art werden, jemanden anzusprechen?“, hakte ich nach und war mir durchaus bewusst, dass ich eben zugegeben hatte, den 14. Februar eines jeden Jahres zu hassen, auch wenn das meinen Umgangsformen gegenüber den armen, unschuldigen Rosen nur allzu deutlich zu vernehmen war.

„Sagen wir einfach mal so: Das Ansprechen war ein willkommener Nebeneffekt“, erklärte er mir und lächelte ein schiefes Lächeln, welches ich erwidern musste.
Eins konnte man ihm lassen: Er war charmant, selbst wenn er sich später als ein durchgeknallter Psychopath herausstellen sollte.

„Gut herausgeredet“, sagte ich und sah ihn mir etwas genauer an.

Edward trug ein eng anliegendes weißes Shirt, darüber eine schwarze Lederjacke, welche mit verschiedenen weißen Motiven bestückt war, dazu eine helle Jeanshose.
Es war schlicht, doch an ihm sah es wirklich sehr gut aus.

„Also, suchen wir uns jetzt andere Sachen, die wir zerstören können oder gehen zum Beispiel in ein Café und machen dort weiter?“, fragte er mich frech und ich fragte mich, ob dieses Grinsen sich an seinem Gesicht festgetackert hatte.

Wir?“, hakte ich noch einmal nach und hob skeptisch meine Augenbraue.
„Habe ich etwas verpasst?“

„Naja, es ist ja ganz offensichtlich, dass wir beide eine große Abneigung gegen diesen Tag haben, oder?“

Ich nickte nur und wartete darauf, dass er fortfuhr.

„Also wäre es doch nur von Vorteil, wenn wir unseren Hass verbünden. Was denkst du, was wir da alles erreichen könnten?“

Obwohl ich diesen Mann nicht kannte und sein Vorschlag irgendwie eigenartig war, gefiel er mir.

„Und was stellst du dir dabei vor?“, wollte ich wissen, doch in meinen Kopf spielten sich schon verschiedene Szenarien ab, was man so alles anstellen könnte.
Ich kam mir vor, als wäre ich wieder ein Teenager, der nur Mist bauen wollte, aber an diesem Tag hätte man ja auch nichts anderes von mir erwarten können.

Bei Edward fragte ich mich, ob er einen natürlichen Hass gegen diesen Tag pflegte, so wie viele andere Männer auch, oder ob er - so wie ich – einen bestimmten Grund hatte für diese tiefe Abneigung.

„Da lässt sich bestimmt einiges finden“, kam es nur mysteriös von seiner Seite und deutete mir mit einer Kopfbewegung an, ihm zum Ausgang zu folgen, aber noch konnte ich hier nicht weg.
Ich brauchte wirklich dringend ein Buch, auch wenn mein Verlangen danach nachgelassen hatte, sobald dieser Mann mich bei meiner Rosenermordung unterbrochen hatte.  
Andererseits konnte ich vielleicht später noch mal in die Buchhandlung zurück.

Wie oft begegnete man schon einem Mann, der einem dabei half die Valentinstagsdekoration zu zerstören?
Ich könnte wetten, dass es nicht häufig passierte!

„Na gut, gehen wir“, gab ich mich geschlagen und sah mich ein letztes Mal in den Räumlichkeiten um.
Die rot pinke Dekoration zerschlug einen praktisch und es war beinahe unmöglich, sich an diesem Tag hier zu entspannen.
Normalerweise fiel es mir immer leicht, im Buchladen alles um mich herum auszublenden und mich nur auf die Bücher zu konzentrieren, aber heute war es definitiv unmöglich. 

Ein Grund mehr für mich, diesen verflixten Tag zu hassen!!

Ich ging hinter Edward her und versuchte dabei der rosaroten Hölle keine so große Beachtung mehr zu schenken.
Meine Augen hielt ich auf den Boden fixiert, doch je näher wir dem Eingang kamen, desto höher ließ ich sie wandern, bis sie an Edwards Hintern kleben blieben.

Die Art und Weise, wie seine enge Jeans sich beim Gehen an seinen Hintern schmiegte, gefiel mir.
Sehr sogar.
Es war ein knackiger Hintern und ich konnte mir vorstellen, dass er sich unter meinen Händen auch genauso knackig anfühlen würde.


Himmel…. Aufhören!


Sobald wir den Ausgang erreicht hatten und die kühle Luft Chicagos einatmeten, richtete ich meinen Blick wieder nach oben, weg von dem wunderschönen Anblick seines Hinterns, welchen ich bis eben noch genießen konnte.

Edward lief einfach weiter und ohne dass ich wusste, wohin er ging, lief ich ihm hinterher, bis ich irgendwann sogar mit ihm Schritt halten konnte.
War er vor irgendetwas auf der Flucht?
Na gut, die übertriebene Dekoration des Buchladens war wohl Grund genug um zu flüchten.

An einem silbernen Volvo blieben wir dann irgendwann stehen.
Verwirrt, wie ich nun einmal war, sah ich ihn an, während er um den Wagen herum lief und die Tür aufschloss.

Gerade, als er die Fahrertür öffnete und ich immer noch an Ort und Stelle stand, sah er zu mir herüber.

„Steig ein“, sagte er und hatte einen Fuß schon im Wageninneren.

Ich schüttelte meinen Kopf.

„Nein“, erwiderte ich nur darauf und verschränkte meine Arme vor meiner Brust.
Ganz bestimmt würde ich nicht dort einsteigen.

Edward runzelte nur die Stirn und sah mich fragend an.

Ohne, dass er seine Frage aussprechen musste, antwortete ich ihm schon darauf.

„Ich steige nicht zu fremden Männern ins Auto“, erklärte ich ihm schlicht und ergreifend und ging, um meine Aussage zu unterstreichen, einen Schritt zurück, wodurch ich beinahe mit jemandem zusammengestoßen wäre.

Edward reagierte anders, als ich es vermutete.

Er zuckte einfach nur mit den Schultern und schloss seinen Wagen, während er wieder zu mir auf den Bürgersteig kam.
Ich hatte gedacht, er würde vielleicht wütend werden oder diskutieren wollen, warum ich denn nicht einstieg, aber das tat er nicht.
Damit müsste ausgeschlossen sein, dass er irgendein verrückter Freak war, der mich einfach nur rumkriegen oder entführen wollte, oder?

„Also dann! Wollen wir?“, fragte er mich enthusiastisch und lächelte mich wieder einmal breit an.
Was hatte dieser Mann nur immer wieder zu grinsen?
Wie konnte man an einem Tag wie diesem überhaupt gute Laune haben?

„Du bist merkwürdig, weißt du das?“, sprach ich ihn auch schon direkt auf sein Verhalten an, als wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Café machten.

„Sagt die Frau, die den Rosen die Blütenblätter abgerissen hat“, antwortete er mir darauf, wieder einmal mit einem dicken Grinsen in seinem Gesicht, welches ich dieses Mal aber sofort erwidern musste.

„Hey, ich habe sie wenigstens nur abgerissen. Du bist derjenige, der sie enthauptet und sie dann zu Matsch verarbeitet hat“, hielt ich dagegen und musste mir ein Lachen verkneifen, als ich daran dachte, wie er mit dem kahlen Rosenstiel in der Vase herumgerührt hatte.
Auch Edward stieg in mein Lachen mit ein.

Auf dem ganzen Weg zum Café unterhielten wir uns und lachten dabei sehr viel.
Es war erstaunlich, wie gut ich mich mit einem Menschen verstand, obwohl ich ihn gerade einmal eine viertel Stunde kannte.
Vielleicht war es seine Art, die mich so locker werden ließ oder auch einfach die Tatsache, dass er mein Mittäter bei der Rosenermordung war.

Irgendwann, nach zahlreichen Lachanfällen, erreichten wir ein kleines Café.

Es grauste mir schon dort hineinzusehen, als ich die rosaroten Pappmaschee Herzen sah, wie sie über dem Eingangsbereich aufgehängt wurden.

Hatten sie denn überall keine andere Dekoration, außer diesen dämlichen Herzen, Blumen und Luftballons?

Aufmunternd sah Edward mich an, doch schon bald bildete sich ein teuflisches Grinsen auf seinen Lippen und ich erinnerte mich an unsere kleine Mission, den Valentinstag auf unsere Art und Weise zu boykottieren.

Als wir in das kleine Café hineinliefen traf mich der Schlag.
Hier war es sogar noch viel Schlimmer als im Buchladen!

Die Tische waren mit einer roten Tischdecke bedeckt, welche von zahlreichen Herzen bemustert wurde.
Auf jedem einzelnen dieser Tische standen zwei Kerzen, in Form von Herzen und zwischen diesen beiden Kerzen, die auf der Tischmitte platziert waren, stand eine weiße, dünne Vase mit einer roten Rose, dessen Blüten mit goldenem Glitzer verziert waren.

Ich hatte das Gefühl, als ob ich mich jeden Moment übergeben musste.
Ob man sich so etwas wie eine rosarote Krankheit einfangen konnte?
Oder konnte man gegen zu viel Kitsch allergisch sein?

Auch Edward, der neben mir zur Salzsäure erstarrt war, sah so aus, als ob er am liebsten sofort die Flucht ergreifen würde, aber da musste er jetzt durch, schließlich war es seine Idee.

Es gab noch genügend freie Tische, doch mir war es egal, wo wir uns hinsetzen würden.
Vielleicht in der Nähe des Ausganges, damit man die Flucht ergreifen konnte, falls es einem zu viel werden würde, doch Edward entschied sich, in eine der hintersten Ecken zu verschwinden, also folgte ich ihm einfach.

Erst als wir dabei waren uns zu setzen fragte ich ihn, warum er sich einen Tisch so weit weg vom Ausgang ausgesucht hatte.

„Hier ist es weniger auffällig, wenn wir irgendetwas zerstören wollen“, war seine glorreiche Antwort, doch diese genügte um ein teuflisches Grinsen auf meine Lippen zaubern zu lassen.

Ohne ein weiteres Wort setzte ich mich ihm gegenüber und pustete das Licht der Kerzen aus.
Belustigt sah Edward mich an.

„Die nerven“, erklärte ich ihm und zuckte mit den Schultern.

„Ich dachte, du würdest als erstes die Rose entblättern“, gab er schmunzelnd von sich und lehnte sich in seinem Sitz zurück.

Kindisch, wie ich nun einmal am heutigen Tag veranlagt war, streckte ich ihm die Zunge raus und wollte gerade zu einer frechen Antwort ansetzen, als wir durch eine viel zu fröhliche Kellnerin unterbrochen wurden.

Sie drückte uns herzförmige Speisekarten in die Hand, welche ich am liebsten sofort zerrissen und angezündet hätte, doch das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen.

„Oh, die Kerzen sind ja ausgegangen. Einen Moment bitte“, sagte die blonde Nervensäge und wühlte in den Taschen ihrer – passend zur Tischdecke – roten Kellnerschürze herum, bis sie die Streichholzschachtel gefunden hatte, nach der sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gesucht hatte.

Genervt verdrehte ich meine Augen, da ich diejenige gewesen war, welche die Kerzen ausgepustet hatte und zwar mit voller Absicht!
Edward schien denselben Gedanken zu haben wie ich, doch anstatt genervt zu sein – so wie ich – musste er sich stattdessen ein Lachen verkneifen.
Aus schmalen Augen sah ich ihn an, versuchte ihn mit einem einzigen Blick zu erdolchen, doch es war zwecklos.
Sein Lachen, auch wenn es nur unterdrückt war, war viel zu ansteckend, weshalb ich, sobald die Kellnerin ging, zusammen mit Edward in lautes Gelächter ausbrach.

Ich wusste nicht genau, weshalb ich lachte, aber ich tat es und um ehrlich zu sein, fühlte ich mich verdammt gut dabei.

„Willst du die Kerzen nicht wieder auspusten?“, fragte Edward mich, noch immer lachend und deutete mit seinen Augen bedeutungsvoll auf die zwei herzförmigen Kerzen.
Ehrlich, es würde mich nicht wundern, wenn sogar die Wolken am Himmel eine Herzform annehmen würden, so besessen wie alle davon waren!

„Ich denke ich warte doch.“
Schließlich wollte ich ja nicht, dass die Kellnerin die Kerzen immer wieder aufs Neue anzündete und mir somit nur noch mehr auf die Nerven ging, also nahm ich mir vor, dass sowohl die Kerzen, als auch die Rose und sogar die Speisekarte daran glauben mussten, kurz bevor Edward und ich bezahlen würden.

Nachdem unser Gelächter nach und nach abgeklungen war, warfen wir beide einen Blick auf diese grässliche, herzförmige Speisekarte.

War der Valentinstag etwa der Tag der Übertreibung?
Wieso fragte ich eigentlich noch? Das war ja wohl offensichtlich!

Und wieso zur Hölle waren da nur Gerichte für zwei Personen?
Vorspeise für Zwei, Hauptgericht für Zwei, Dessert für Zwei… Das war ja nicht zum aushalten!
Musste man sich denn alles teilen?
Was zum Teufel sollte daran denn schon romantisch sein, wenn man sich sein Essen teilte und man sich gegenseitig fütterte, wie die Leute im Altenheim?
Das war ja widerlich!

„Haben die denn wirklich nichts Besseres? Jetzt mal ehrlich! Das ist doch wohl ein schlechter Scherz! Austern für zwei Personen? Seit wann kann man in einem Café Austern bestellen? Und wieso ein Aphrodisiaka? Ist der Valentinstag von nun an der Tag der Liebe und der Geilheit?“, redete ich mich in Rage und warf einen weiteren, empörten Blick auf die Speisekarte.

Es war wirklich unglaublich!

Doch anstatt, dass Edward sich mit mir aufregte, lachte er nur wieder.
Mit hochgezogener Augenbraue sah ich über die Karte hinweg zu ihm herüber.

„Irgendwie siehst du ja süß aus, wenn du dich so aufregst“, erklärte er mir, doch das Einzige, was ich darauf erwiderte war, dass ich meine Braue noch etwas in die Höhe zog.

„Wirst du jetzt genauso widerlich wie die Anderen?“, fragte ich ihn und deutete mit meinem Kopf auf ein Pärchen, welches nur wenige Tische von uns entfernt saß.  
Beide waren über den Tisch gebeugt, flüsterten sich höchstwahrscheinlich irgendeinen beschissenen Liebeskram zu und fütterten sich gegenseitig mit schokoladenüberzogenen Erdbeeren.
Konnten die so etwas nicht Zuhause machen? In den eigenen vier Wänden?
Das war ja wirklich nicht zum aushalten!

Immerhin schien Edward dasselbe zu denken wie ich, denn er verzog das Gesicht, sah wieder zu mir herüber und schüttelte energisch seinen Kopf.
Diesmal war es an mir, zu grinsen.

„Ich glaube, ich bestelle mir nur einen Cappuccino. Etwas Vernünftiges scheinen die ja sonst nicht zu haben“, murmelte ich vor mich hin und legte die rote Pappe weg.

Mit meinen Fingern griff ich zur Rose und fing an, den goldenen Glitzer aus den roten Blüten zu kratzen.
Es reichte ja nicht, dass diese armen Pflanzen an diesem Tag schon genug missbraucht wurden!
Bestimmt waren die Rosen aus der Buchhandlung sogar froh, dass Edward und ich sie von ihrem Leid befreit hatten und auch dieser würden wir ihre Freiheit zurückgeben.

Nachdem Edward und ich unsere Bestellungen aufgegeben hatten – er einen einfachen Kaffee und ich einen Cappuccino – machten wir uns über die anderen Pärchen lustig.

Es war schon albern, wie sich die Paare jedes Jahr aufs Neue am 14. Februar benahmen.
Sie turtelten und knutschen übertrieben herum und ich fragte mich, warum sie es denn nur an diesem Tag so machten.
War denn nicht jeder andere Tag genauso gut?
Alice und Jasper waren die einzigen die ich kannte, die sich ihre Liebe jeden Tag bewiesen, nicht nur am Valentinstag.
Was war nur mit all diesen anderen Menschen los?

Sobald die Kellnerin Edward seinen Kaffee und mir meinem Cappuccino überreichte, musste ich erneut genervt aufstöhnen.
Der Kakaopuder auf meinem Cappuccino hatte die Form eines verschissenen Herzens!
Was war an dieser Form nur so toll?

„Ich wünsche euch zwei Süßen einen schönen Valentinstag“, trällerte die blonde Kellnerin und verschwand wieder von unserem Tisch.

„Also, erzählst du mir, warum du diesen Tag so hasst?“, stellte Edward mir die Frage, auf die ich so ungern antwortete.
Ich hasste es, mich an diesen einen Tag zurückzuerinnern.
Mit dem Löffel in meiner rechten Hand rührte ich in meinem Getränk herum und vermischte somit den Kakaopulver mit dem leckeren Milchschaum.

„Erzählst du mir auch, wieso du diesen Tag so verabscheust?“, stellte ich ihm die Gegenfrage.
Anfangs zögerte er noch und sah mich einfach nur an, bis er letztendlich nickte und einen Schluck von seinem Kaffee trank.

„Na gut“, gab ich mich geschlagen und rührte weiterhin in meinem Cappuccino herum, ehe ich einen Schluck davon nahm und anfing zu erzählen.

„Heute, vor acht Jahren, wollte ich eigentlich heiraten“, fing ich mit meiner Erzählung an und konnte es nicht fassen, dass es schon so lange her war.

„Damals war ich genauso Gehirnamputiert wie diese Leute, doch… na ja… so wie viele andere hielt ich diesen Tag für den romantischsten aller Tage. Der Termin stand fest, ich hatte mein Kleid und die Einladungen für die Gäste waren auch schon rausgeschickt. Nichts hatte mich auf das vorbereitet, was an diesem Tag letztendlich geschah. Ich hatte mein Brautkleid an, es war wirklich ein Traum in Weiß und ich wartete auf das Signal, hinaus zum Altar schreiten zu können, doch nichts geschah. Ich wurde immer nervöser und fragte mich, ob es irgendwelche Schwierigkeiten gab, allerdings rechnete ich nicht mit dem, was dann passierte. Jacob, der Mann, den ich heiraten wollte, war einfach abgehauen. Ohne ein Wort. Er hatte mich verlassen und hatte noch nicht einmal den Mut gehabt mir zu sagen, dass er mich nicht wollte. Ich war mit meinen Nerven am Ende und mit der Situation überfordert. Wir hatten etwa hundert Gäste eingeladen, alles war schon bezahlt und ich wusste nicht, was ich machen sollte…“

Es war, als würde ich diesen Tag noch einmal durchleben.
Seit acht Jahren hatte ich nicht über diesen Tag geredet und hatte sogar versucht zu vermeiden, bloß daran zu denken, doch jedes Jahr - immer am Valentinstag - wurde mir meine böse Erinnerung aufgezwungen.

Ich fragte mich, warum ich Edward davon erzählte.
Vielleicht weil er diesen Tag genauso sehr hasste wie ich.
Vielleicht war nach acht Jahren einfach mal die Zeit gekommen, einem Außenstehenden die Geschichte zu erzählen.
Jemand, der mir auf eine gewisse Art und Weise ähnelte.
Auch wenn ich ihn anfangs noch für einen Verrückten gehalten hatte, doch genau das machte ihn für mich so sympathisch.
Es tat gut mit jemand anderen diesen Hass teilen zu können und nicht dafür verurteilt zu werden, den Tag der Liebenden zu verabscheuen.

„Hat er sich denn irgendwann noch bei dir gemeldet?“, fragte er mich, als er meine Hand in seine nahm und sie kurz drückte.
Ich musste lächeln, weil so eine einfache Berührung tatsächlich das war, was ich brauchte und es verwirrte mich.

„Nein, nicht wirklich! Er hat mir ungefähr zwei Wochen nach der eigentlichen Hochzeit eine E-Mail geschrieben, dass es ihm Leid täte, er aber keinen anderen Ausweg sah. Warum er die Hochzeit allerdings in der letzten Minute geschwänzt hat, weiß ich bis heute nicht“, erklärte ich ihm und lächelte ihn an.
Seine grünen Augen musterten mich, doch sobald er bemerkte, dass es mir gut ging, bildete sich auch auf seinen Lippen ein unglaubliches Lächeln.

Und ich fühlte mich wirklich gut.

Es war nicht so, dass ich Jacob hinterher trauerte.
Nein, darüber war ich schon lange hinweg, doch die Tatsache, so verletzt zu werden, hinterließ auch bei mir seine Spuren.

Seitdem hatte ich keine feste Beziehung mehr gehabt.

Ich amüsierte mich ab uns zu mal, doch länger als drei Wochen hielt ich es nicht mehr mit einem Mann aus und mit meinen 33 Jahren fing ich langsam an daran zu zweifeln, ob ich es jemals wieder schaffen könnte, einem Mann bedingungslos zu vertrauen und mich ihm hinzugeben.
Jeder um mich herum heiratete oder gründete eine Familie, nur ich war sowohl in meiner Familie, als auch in meinem Freundeskreis die Einzige, die noch ein Singleleben führte.

„Jetzt bist du dran“, sagte ich und lenkte mich somit von meinen Gedanken ab.
Ich wollte wissen, was seine Geschichte war.
Was der Grund dafür war, dass er diesen Tag genauso verabscheute, wie ich es tat.
Niemals hätte ich daran geglaubt, dass es noch jemanden geben könnte, der über den Valentinstag genauso dachte, wie ich.

„Es war vor sechs Jahren. Seit der High School war ich nur mit einer einzigen Frau zusammen. Ihr Name war Tanya. Wir gingen auf dasselbe College und hatten uns auch für die Zeit danach eine gemeinsame Wohnung gesucht und ich dachte, sie wäre die Frau fürs Leben. Jedenfalls wollte ich ihr, heute vor genau sechs Jahren, einen Heiratsantrag machen“, erklärte er mir und nahm noch einen Schluck seines Kaffees, bevor er mit seiner Erzählung fort fuhr.

Also war Edward damals noch so einer gewesen, der seiner Freundin zum Valentinstag einen Heiratsantrag machen wollte, doch ich konnte es ihm nicht verübeln, schließlich war ich damals auch diejenige gewesen, die am Valentinstag unbedingt heiraten wollte und anscheinend hatten wir beide für unsere naive Denkweise einen Denkzettel bekommen.

„Ich war extra früher von der Arbeit nach Hause gegangen, damit ich alles vorbereiten konnte, doch als ich nach Hause kam, erwartete mich der Schock meines Lebens. Überall lagen Kleidungsstücke herum, doch es waren nicht nur Tanyas. Ich hörte Geräusche, die eindeutig aus unserem Schlafzimmer kamen und als ich eben dieses Zimmer betrat sah ich Tanya, wie sie nackt einen anderen Typen ritt. Ich kannte diesen Kerl nicht einmal!“

Aufmunternd drückte ich ihm seine Hand.
Für Außenstehende müsste diese Berührung sehr romantisch und intim wirken, doch das war es nicht.
Ich wusste, wie er sich fühlte.
Wir beide wurden an dem ‚romantischsten Tag im Jahr’ von den Menschen verletzt, die wir so sehr geliebt hatten.
Nach Jahren hatte ich jemanden gefunden, der ein ähnliches Schicksal wie meines teilen musste, doch das war nicht unbedingt etwas, worauf man stolz sein konnte.

„Wir sind schon arme Schlucker, hm?“, lächelte ich ihn an und auch er musste mein Lächeln erwidern.

„Na ja, wäre alles nicht so gekommen, hätten wir beide uns wohl nie kennen gelernt. Jedenfalls nicht auf diese einzigartige Art und Weise“, lachte er und ich stieg in sein Lachen mit ein.
Mir war durchaus bewusst, dass er mit mir flirtete, doch ich musste schnell feststellen, dass ich absolut nichts dagegen hatte.
Er war jemand, der mich bezüglich des Valentinstags verstand und das war eine Sache, die man nicht mit jedem teilte.

Edward riss eine der Rosenblätter heraus und übergab sie mir.
„Damit du dich immer an diesen verrückten Tag erinnern kannst“, erklärte er mir mit einem schiefen Grinsen.
Lächelnd nahm ich sie entgegen und sah sie auf eine Art und Weise an, die ich so gar nicht von mir kannte.
Irgendwie…verträumt.

„Danke“, sagte ich nur und sah ihn an.
Irgendetwas lag in der Luft.
Eine gewisse Spannung, die vorher noch nicht da gewesen war.
Lag es vielleicht daran, weil wir uns gegenseitig unser Valentinstagstrauma erzählt hatten?

Edward und ich unterhielten uns noch über die verschiedensten Sachen.
Wir alberten nicht nur herum, wie es am Anfang der Fall gewesen war, sondern erzählten von unserem Leben, unseren Familien und Freunden und ich musste zugeben, dass es schön war sich mit ihm zu unterhalten.
Vergessen war die Sorge, dass er ein verrückter Stalker sein könnte.
Er war nett, charmant, äußerst witzig und irgendwie mochte ich ihn, also fasste ich einen Entschluss.

Ich griff nach einer Serviette und wühlte in meiner Handtasche nach dem Kugelschreiber, den ich immer bei mir trug und schrieb meinen Namen und Telefonnummer darauf nieder.

„Bella Swan…“, las er vor, was ich auf der Serviette geschrieben hatte, als ich sie in seine Richtung schob und das Lächeln auf seinen Lippen wurde breiter.

„Womit habe ich das verdient?“, fragte er mich, faltete den weißen Stoff zusammen und verstaute es sicher in seiner Jackeninnentasche.

„Ich mag dich, irgendwie und ich fände es schön, wenn wir das wiederholen könnten“, gab ich schulterzuckend zu und lächelte dabei.
In den letzten acht Jahren hatte ich nicht so viel gelächelt, wie ich es heute tat und das war ganz allein Edward Cullens Verdienst.

„Ich mag dich auch… irgendwie“, wiederholte er leicht lachend meine Worte doch ich wusste, dass er ernst meinte, was er sagte.

Es war wirklich merkwürdig.

Wir kannten uns gerade einmal eine Stunde und doch war es so, als ob ich ihn schon viel länger kennen würde.

„Ich denke ich weiß auch schon, was wir bei unserem ersten Date unternehmen“, lachte er weiter, sah mich dabei an und musste noch mehr lachen, als ich einen übertriebenen Schmollmund zog.

„Erzählst du mir, was es ist? Ich würde auch gern lachen“, gab ich zu, doch auch ohne dass er es mir erklärte, musste ich ein Lachen unterdrücken.
Verdammt, was hatte dieser Mann bloß an sich, dass sein Lachen so ansteckend war?
Aber ich mochte es, definitiv.

„Wir gehen in ein Blumengeschäft wo du dann immer, wenn die Angestellten nicht hinsehen, den Blumen ihre Blüten abreißen kannst“, erklärte er mir und lachte weiter, doch ich bewarf ihn mit dem Keks, der noch am Tellerrand meines Cappuccinos lag, stieg jedoch schon bald wieder in sein Lachen ein.

Seit langem war das der erste Valentinstag, den ich wirklich genoss…